[29.11.2008] Seit ich im Juni 2007 aus Süddeutschland nach Hamburg gezogen bin und dort eine bezahlbare Wohnung im bodenständigen und gemütlichen Dulsberg gefunden habe, bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden. Die Häuser sind rot, die vielen Bäume grün, die Menschen angenehm bescheiden und die Verkehrsanbindung ist ziemlich gut. Was ich damals allerdings nicht wusste ist, dass ich mich für „die falsche Seite der Alster“ entschieden hatte, wie mir schon nach kurzer Zeit ein „Alster-Wessi“ erklärte. Wer etwas auf sich hält und „in“ sein will, der wohnt in der Schanze, im Karoviertel, in Kiez-Nähe, Altona, Ottensen oder Eimsbüttel. Wer sich’s leisten kann vielleicht auch in Eppendorf, Harvestehude, Rotherbaum oder direkt in der City. Winterhude, Uhlenhorst oder St. Georg ist dann schon nicht mehr ganz so „cool“, aber dank exklusiver Lage in Alsternähe durchaus noch vertretbar.
Wenn man sich nun aber als Dulsberger outet, dann erntet man bestenfalls fragende Gesichter und ein irritiertes „Wo ist das denn??“. Ortskundige antworten unter Umständen auch „Warum das denn??“. Schlimmstenfalls bekommt man aber zu hören „Ist das nicht da, wo man auf offener Straße erschossen wird?“. Hier werden schon die zwei großen Image-Probleme des Hamburger Ostens deutlich: Entweder wird er kaum wahrgenommen, höchstens als großflächige Einöde verschlafener Wohnviertel. Oder aber ihm haftet sogar ein zwielichtiger Ruf an, der in der Vorstellung des „Alster-Wessis“ aus einem unheilvollen Konglomerat von kriminellen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, verzweifelten Hartz-IV-Empfängern und der aus allen denkbaren Kulturkreisen zusammengesetzten Arbeiterklasse hervorgeht.
Nun, nach eineinhalb Jahren Leben und Arbeiten im Osten Hamburgs, kann ich diese Eindrücke so gar nicht bestätigen. Besonders die auffällige Ignoranz der örtlichen „Szene-Medien“ gegenüber den östlichen Stadtteilen stößt mir zunehmend sauer auf. Als ob es hier keine schönen Cafés, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Events und kulturelle Einrichtungen gäbe, über die es sich zu berichten lohnt!?
Um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, habe ich dieses Blog ins Leben gerufen. Hier möchte ich den Beweis antreten, dass Hamburgs Osten so einiges zu bieten. In erster Linie soll über interessante Lokalitäten verschiedenster Art berichtet werden, wobei ich mir hier keine inhaltlichen Grenzen setzen will. Auch etwas Platz für meine persönliche Gedanken im Zusammenhang mit Geschehnissen in den Stadtteilen möchte ich hier schaffen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit werden dabei – neben Dulsberg natürlich – so klangvolle Namen wie Barmbek (Nord & Süd), Wandsbek, Eilbek, Hamm, Horn, Marienthal, Hohenfelde, Borgfelde und Hammerbrook stehen. Aber auch Winterhude und Uhlenhorst sollen nicht verschmäht werden, sowie natürlich Bramfeld, Steilshoop, Farmsen-Berne, Tondorf, Jenfeld und Billstedt. Und wenn es die Zeit erlaubt, wird auch mal ein Blick Richtung Rahlstedt, Billbrook, Rothenburgsort, Ohlsdorf oder Alsterdorf geworfen.
Dieses ehrgeizige Vorhaben wird sich alleine nur schwer verwirklichen lassen. Meine Freundin greift mir bereits unter die Arme, aber wir würden uns sehr über die tatkräftige Unterstützung anderer „ost-kundiger“ Autoren freuen, die sich an diesem Projekt beteiligen möchten. Schließlich haben wir gegenüber dem Westen einen dringenden Bildungsauftrag und somit ein höchst ehrenwerte Mission, da ist Engagement gefragt!
Im Sinne der Völkerverständigung,
Stephan S.
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1 Antwort bis jetzt ↓
1 RSP // Dez 3, 2008 at 15:03
Moin Stephan,
wie der Zufall wollte bin ich plötzlich hier gelandet. Nun, ein interessanter Ansatz, den ich durchaus bestätigen kann. Ich werde Deinen Blog im Auge behalten und bei Gelegenheit mit hoffentlich interessanten Tipps aus dem Osten zum Inhalt einen Beitrag leisten können.
Gruß RSP
P.S. da werde ich doch gleich mal einen Link zu Dir setzen
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