Ich bin ja ganz ehrlich ein Theatermuffel. Nicht aus Überzeugung, sondern einfach weil es nicht meine Welt ist und mich emotional nicht anspricht. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich ein Kind des digitalen Zeitalters und der Flimmerkisten bin. Dennoch kann ich ohne Probleme die Kulturfabrik Kampnagel würdigen – denn wie die Benennung schon erahnen lässt, wird hier einiges mehr als „nur“ Theater geboten. Einen Namen gemacht hat sich die Bühne in der ehemaligen Maschinenfabrik aber zunächst als improvisiertes Schauspielhaus, das sich nach Zeiten wilden Experimentierens mit allen Spielarten darstellender Kunst zunehmend professionalisiert und mittlerweile als vielbeachtete Theaterinstitution mit intellektuellem Anspruch und internationalen Gastspielen etabliert hat.
Die Zuschauer sollen aber nicht nur gefordert, sondern auch unterhalten werden. Dazu tragen unter anderem zahlreiche innovative Festivals bei, die verschiedene Kunstrichtungen unter einem Motto vereinen und die Tragfähigkeit aktueller Trends ausloten. Auch Konzerte finden im Kampnagel statt, wobei auch der stilistischen Vielfalt keine Grenzen gesetzt sind. Nur der Mainstream wird im großen [k] nicht so gerne gesehen, für den breiten Massengeschmack gibt es aber auch schon genug andere Locations. Freitags kommt das bewegungsfreudige Publikum ab 30 außerdem beim „Tanznagel“ voll auf seine Kosten. Hier werden die intellektuellen Ambitionen gerne in alkoholischem Wohlgefallen aufgelöst und zu Pop- & Rock-Klassikern der letzten drei Jahrzehnte darf ordentlich abgefeiert werden.
Ob Theater, Konzert oder Disco, im Kampnagel profitiert alles von dem gewissen alternativ-industriellen Flair der Räumlichkeiten, der seinen ganz eigenen Charme hat. Durch die umfassende Sanierung in den 90ern wurde dabei Ursprüngliches mit Modernem eindrucksvoll verbunden und die Individualität von Kampnagel gekonnt in Szene gesetzt. Wer die gesammelten Eindrücke erst mal in Ruhe verarbeiten möchte, der kann es sich im angeschlossenen Restaurant/Bistro, dem „Casino“, gemütlich machen und zu bezahlbaren Preisen den Gaumen kitzeln lassen. Zur Mittagszeit stellt das Casino übrigens auf Kantinenbetrieb um, was vor allem die Mitarbeiter des umliegenden Bürokomplexes zu schätzen wissen. Erreichbar ist Kampnagel am besten per Bus mit eigener Haltestelle „Jarrestraße/Kampnagel“ (Linien 172 & 173). Ein Besuch lohnt sich für Kulturinteressierte in jedem Fall – und vielleicht kann ich ja auch noch zum Theater bekehrt werden












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